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Web 2.0 – Ein globaler Marktplatz

Web 2.0 bezeichnet den neuen Umgang und neue technische Entwicklungen im Internet. Die Inhalte werden nicht mehr lediglich konsumiert, sondern können aktiv mitgestaltet werden. Durch Webtagebücher und Social Communities entsteht ein offener Dialog zwischen allen Partizipienten. Menschen treffen und unterhalten sich, kaufen, vergleichen und tauschen, präsentieren und verkaufen. Weltweit, wann immer beliebt.

Einzigartig bei der Kommunikation über das Internet ist die zeitliche Divergenz. Eine eMail zum Beispiel erreicht binnen Sekunden ihren Adressaten, nahezu live, wie die Informationseinheit, die in einem Gespräch übermittelt wird. Der Adressat kann in ebenso einer Geschwindigkeit antworten. Muss er aber nicht. Die eMail könnte auch mehrere Tage dort unbeantwortet liegen bleiben. Die Kommunikation findet in der Regel asynchron, also nicht in Echtzeit, statt. Dies ist sicherlich ein großer Nachteil, wenn eine baldige Antwort erwartet wird und wenn unklar ist, ob der Adressat die Nachricht überhaupt erhalten hat. Der Vorteil dieser elektronischen Kommunikation ist die Möglichkeit, diese zu archivieren. Emails können noch nach Jahren, wenn sie nicht vorher bewusst gelöscht wurden, abgerufen werden. Diese zeitliche Divergenz ermöglicht es Kommunikation, wie auf dem früheren Marktplatz, mit einer potentiell viel größeren Anzahl von Menschen zu führen. Zudem sind die Gespräche über einen längeren Zeitpunkt zugänglich und können jederzeit fortgeführt werden.

Ein sehr etabliertes Instrument hierzu ist das Diskussionsforum. Üblicherweise geht es in solch einem Forum um ein bestimmtes Thema, zu dem meist vorher angemeldete Benutzer Beiträge schreiben und dessen Inhalte diskutieren. Eine Frage wird dabei meist von einem völlig Fremden beantwortet. In einem Forum finden sich oftmals untereinander unbekannte Personen zusammen, die sich aber alle für das Thema dieses Diskussionsforums interessieren. Auch hier wird jegliche Kommunikation archiviert. Diesmal aber öffentlich. Jeder andere Internetnutzer kann die Gespräche in öffentlichen Diskussionsforen mitlesen und auch noch Jahre später in Diskussionen einsteigen. Was hier so positiv klingt, hat aber auch einen ebenso großen Nachteil. Meinungen und Äußerungen von Personen sind über Jahre hinweg recherchierbar und können von einem Personalchef im Vorfeld eines Bewerbungsgespräches genauso eingesehen werden, wie von privaten oder geschäftlichen Gegenspielern. Jede Informationseinheit, die im Internet über derartige Plattformen öffentlich kommuniziert wird, ist in der Regel für die Ewigkeit gespeichert. Mit dem Dienst „Waybackmachine“ wird das Internet seit dem 20. Oktober 1996 archiviert. Über den Suchschlitz lässt sich noch heute herausfinden, dass zum Beispiel die Microsoft.com Homepage einmal gelb-blau war. „Wir hatten das Internet-Archiv 1996 gegründet, da wir starke Zweifel daran hatten, dass diese historisch wichtigen Dokumente dieses neuen Mediums für die Öffentlichkeit erhalten bleiben werden“, so der Gründer Brewster Kahle.

Teilnehmer des Internet können selbst zum Marktschreier, zum Anbieter von Informationen und Produkten, werden. Die Begründer des Internets, Tim Berners-Lee und Jean-Francois Groff wunderten sich über dessen Entwicklung in den ersten Jahren. Ihre Vision war schon immer, das Internet gleichzeitig zum Konsumieren und Produzieren der Inhalte zu nutzen. Die Web-Browser-Entwickler teilten offenbar diese Vision nicht. In den Anfangsjahren ab 1993 war das Erstellen einer Homepage nur mittels darauf spezialisierten Webentwicklern denkbar. Dabei waren diese Internetseiten reine Präsentationen einer Marke oder Produktes. Die Entwicklungen der letzten Jahre ermöglichen es nun, dass sich jeder mit seinem eigenen Stand auf den Marktplatz stellen kann und seine Informationen einem Millionen-Publikum zur Verfügung stellen. Dieser umfangreiche neue Marktplatz (175,480,931 Webseiten, Stand: Juli 2008, Netcraft) stellt völlig neue Anforderungen an das Kommunikationsverhalten.

Neue Technologien, hohe Gewinnerwartungen und euphorische Spekulationen führten zur einer übersteigerten Erwartungshaltung an das Medium Internet und ließen im März 2000 die „Dotcom-Blase“ platzen. Zwischen 1995 und 2000 bewegten sich viele Internetbenutzer, pro Minute zahlend, mit einem Modem durch das Internet und waren eher zurückhaltend gegenüber Geldtransfers und Käufe über das Internet.

Für Dale Dougherty (O‘Reilly-Verlag) und Craig Cline (MediaLive) schien das Jahr 2004 als Renaissance des Internets. Sie verglichen alte Unternehmen und Geschäftsmodelle mit den Neuen, wie „Google Adsense“ und „Flickr“. Für die dazugehörige Video-Konferenz im Oktober 2004 wählten sie den Namen „Web 2.0″. Derartige Nummern stehen eigentlich bei einer Software für den Entwicklungsstand. Ein Hochzählen der vorderen Ziffer beschreibt dabei eine gravierende Änderung. Obwohl sich das Internet durch das Kollektiv an Nutzern immer fortwährend weiter entwickelt, besteht das Internet heute aus einem ganz anderen Nutzungsverhalten der Partizipienten und ist durch extreme technische Veränderungen gegenüber dem Internet der ersten 14 Jahre geprägt.

Auslöser in der Änderung des Nutzungsverhaltens sind die gestiegenen Bandbreiten für den Internetzugang und die zeit-unbegrenzte Nutzbarkeit durch so genannte Flatrates. Inzwischen sind laut einer Online-Studie von ARD/ZDF mehr als 42 Millionen Deutsche im Netz. Weltweit hat jeder fünfte Mensch Zugang zum Internet und das mit steigender Tendenz. Diese Zahlen sind stets im Hinterkopf zu behalten, denn alle bislang hier angesprochenen Kommunikationsmaßnahmen und die Marketingmaßnahmen im Kapitel 4 erreichen somit längst noch nicht jeden Menschen.

Das Internet wird laut der ARD/ZDF Online-Studie zu 49,6 Prozent aktiv-dynamisch genutzt. Die Nutzer suchen und wählen selbst die zu konsumierenden Inhalte aus. Anders als beim Fernsehen und Radio, was schon mal nebenbei beim Bügeln oder anderen Aktivitäten laufen gelassen werden kann.

Die Nutzer werden im Internet zu Akteuren und verwenden Internetseiten als Plattformen. Sie kreieren selbst Inhalte, vernetzen sich und interagieren untereinander. Laut dem Begründer des Internets, Tim Berners-Lee ist das Web 2.0 kein neues Internet, sondern erfüllt lediglich die Aufgaben, die er dem Internet schon seit dem ersten Tage zugesprochen hatte: „[…] the idea of the Web as interaction between people is really what the Web is. That was what it was designed to be as a collaborative space where people can interact.“ Nach seinem Verständnis wird der Begriff Web 2.0 verwendet, um eine Differenzierung zur ersten Phase des Internets zu bilden, als Nutzer die Inhalte, wie aus allen anderen Medien lediglich konsumiert haben.

FINANZIELLES POTENTIAL IM WEB 2.0

Wichtig für einen funktionierenden Wirtschaftsmarkt, sind neben den Produkten und Dienstleistungen, die darin vorhandene Kaufkraft. Dies war gerade nach dem DotCom-Crash ein nicht zu unterschätzender Faktor. Scheinbar lies sich im Internet kein Geld verdienen. Die Menschen waren noch nicht bereit, ihr eigenes Geld über den elektronischen Weg zu transferieren.

Gegenüber 1999 hat sich einiges verändert: 65,8 Prozent (42,7 Millionen) der Deutschen sind online. 1999 waren es lediglich 17,7 Prozent (11,2 Millionen). Die werberelevante Zielgruppe der 14-49 – Jährigen ist täglich 72 Minuten im Internet. 1999 waren es nur neun Minuten.

27 Millionen Deutsche shoppen online. 35 Millionen (also 82 Prozent der Online Nutzer) informieren sich im Internet über Produkte, wodurch der Online-Recherche eine kaufentscheidende Bedeutung zu kommt. Spätestens mit der Übernahme von YouTube durch Google im November 2006 in Höhe von 1,65 Milliarden US-Dollar, erkannten viele das neue Potential des Internets. Mit dem dem Wissen über den ersten Crash und der Erfahrung des euphorischen Fehlspekullierens beschließen einige Investoren und Unternehmer des „Neuen Marktes“ einen neuen Anlauf. Zusätzlich haben nach fünf Jahren weitere neue Größen in das Internet Einzug gehalten und sich etablieren können, wie der Suchmaschinen-Gigant Google. Im Juli 2005 kaufte bereits der australische Medienmogul Rupert Murdoch das soziale Netzwerk MySpace für 580 Millionen US-Dollar. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass Google allein 900 Millionen US-Dollar bis 2010 zahlen will, nur damit seine Suchleiste und der Werbedienst Google AdSense bei MySpace integriert wird. September 2005 kaufte eBay den Voice-Over-IP Anbieter Skype für 3,3 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2006 erwirtschaftet Google, rein durch Werbung, einen Gewinn von 3,1 Milliarden US-Dollar und kauft damit im April 2007 die Online-Werbefirma DoubleClick. Microsoft musste sich in dieser Bieterschlacht Google, ihren stärksten Konkurrenten im Bereich der Internetdienste, zunächst geschlagen geben und kaufte einen Monat später die Werbefirma aQuantitive für 6,1 Milliarden US-Dollar.

Photo by Marvin Meyer on Unsplash

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